Der Untergang der Deutschen Handy-Produktion




Die deutsche Öffentlichkeit ist entsetzt. Nokia wird die Handy-Fertigung in Bochum schließen und nach Rumänien abwandern. Erhaltene Subventionen für den Standort Bochum müssen eventuell teilweise zurückgezahlt werden, weil die zugesagte Mitarbeiterzahl von Nokia nicht eingehalten wurde. Aber das ist nur noch der Nebenschauplatz. Die Handy-Produktion in Deutschland ist schon lange dem Untergang geweiht.
Was waren das für Zeiten, als Siemens, Bosch und Hagenuk in Deutschland mit den ersten Mobiltelefonen den Markt erobern konnten. Die Entwicklung am Mobilfunkmarkt war und ist weiterhin rasant. Als Motorola 1983 das weltweit erste kommerzielle tragbare Handy in den Markt einführte, wussten viele Experten, das dies der Wachstumsmarkt schlechthin sein wird. Was aber alles noch folgen sollte, konnte niemand vorhersehen. Siemens begann 1994 den Triumphzug der S-Serie mit dem S1. Der Münchner Konzern war ein Vorreiter in der Weiterentwicklung der mobilen Kommunikation. Immerhin war es Siemens mit dem S3 com 1995 gelungen, erstmals SMS zu versenden. Bosch entwickelte im gleichen Jahr erstmals mit dem M-COM 714 ein Handy mit einem Gewicht unter 200g. Das S15 E von Siemens war drei Jahre später das erste Dual-Band-Handy, das das Switchen zwischen den Netzen D und E ermöglichte. Im gleichen Jahr übernahm Siemens die Bosch-Fertigung. Bosch hatte zwar mit der 900er Serie ein edles Design, aber in Forschung und Entwicklung hinkte man Siemens hinterher. Siemens hingegen schwächelte im Design. Bis 1999 versuchte Siemens weiterhin Anschluss an Nokia & Co. zu halten. Doch die Mobilfunk-Sparte war langfristig nicht zu halten und wurde an BenQ für einen lächerlichen Betrag verkauft. Wie die Geschichte mit BenQ ausging ist hinlänglich bekannt.

Das Problem des Standortes Deutschland sind nicht die hohen Löhne, wie man uns immer gerne vormachen will. Die Handy-Produktion in Deutschland ist durch schwere Management-Fehler in Schieflage geraten. Bereits Siemens hatte als Großkonzern mit starren Strukturen und wenig Innovationskraft zu kämpfen. Deutsche Manager sind nicht gerade für flexibles Denken und Neuerungen bekannt. Die Handy-Produktion lebt aber von Innovationen in Technik und Design. Die Forschung und Entwicklung in den Unternehmen muss daher über freie Hand und große Budgets verfügen. Aber genau da liegt das Problem. Der Shareholder Value verlangt Umsätze und keine Investitionen in die Zukunft. Statt auf langfristige Produktverbesserungen und Innovationen zu setzen, hat man sich zu lange auf dem Erreichten ausgeruht. Die nächste Unternehmensschließung steht schon an. Motorola hat in den USA angekündigt, dass das Engagement in der Mobilfunk-Sparte überdacht wird. Ein Teil der Produktion von Motorola steht in Flensburg.
Der Untergang der deutschen Handy-Produktion geht weiter.